Dass es schliesslich der Geschasste selbst war, der sich an die Öffentlichkeit wandte, zeigt, wie diffus die Affäre um die überraschende Freistellung Martin Bachofners als CEO der sich noch im Aufbau befindenden Marketingorganisation Bern Welcome ist. Denn was man dem bewährten Touristiker konkret vorwirft, wollen (oder können) die Verantwortlichen bis heute nicht ausreichend klären.

Fest steht: Den Schaden hat der Tourismus und insbesondere die Bern Welcome AG, die die Stadt unter einem Dach touristisch vermarkten und die Angebotsentwicklung vorantreiben soll. Das Konstrukt gibt es anderswo auch, aber in Bern wurde die Umsetzung des vom omnipräsenten Juristen Marcel Brülhart entwickelten Projekts wie eine Pioniertat gefeiert. Doch das Konstrukt hat Mängel. Brülhart, vom Projektleiter zum VR-Präsidenten aufgestiegen, besetzte das strategische Gremium statt mit Tourismusprofis mit den altgedienten Exponenten der einzelnen Leistungsträger wie Hotellerie Bern+ Mittelland, BERNcity oder Gast­ro­StadtBern. Man kennt sich also bestens, Besitzstand und Eigeninteressen wurden gewahrt. Selbst im operativen Bereich sicherte sich die alte Garde den Einfluss. Zum Stellvertreter des CEO wurde BERNCity-Direktor Sven Gubler bestimmt – über den Kopf von Bachofner hinweg.

Der jetzige Eklat könnte eine Chance sein, zum Wohl von Welcome Bern die Governance zu klären. Auf einem anderen Blatt steht die Aufarbeitung der Affäre Bachofner. Einen nach schwerer Operation noch zu 100 Prozent krankgeschriebenen Mitarbeiter zu zitieren und aus heiterem Himmel mit nebulösen Vorwürfen zu konfrontieren, widerspricht meiner Meinung nach der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Was rechtfertigt ein solch ruppiges Vorgehen gegen einen geschätzten und unbescholtenen Tourismusfachmann? Irgendwie riecht es im Berner Teig unappetitlich nach Mobbing.