Es braucht keinen Fachkräftemangel, um zu wissen, dass sie kostbar sind: junge Menschen, die in ihrer ersten grossen Lebensentscheidung den Weg ins Gastgewerbe wählen. Sie sind die Zukunftsträger und -trägerinnen, die bereit sind, ihr Handwerk von Grund auf zu lernen. Im letzten Jahrzehnt hat es immer weniger von ihnen gegeben. Die Entwicklung seit 2009 gleicht optisch einem Schlittelhang, entlang dessen Gefälle die Branche fast ein Viertel der Neueintritte einbüsste. Und zwar auch dann, wenn starke Jahrgänge auf dem Markt waren.

Wer schon einmal auf einem Schlittelhang richtig Fahrt aufgenommen hat, weiss, dass es mit dem Bremsen so eine Sache ist. Eine weniger nachgefragte Branche zu sein, ist ungünstig, wenn man Talente anziehen will. Keine gute Ausgangslage, um mehr Lernende zu gewinnen. Eigentlich. Doch wie die frisch veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik beweisen, ist dem Gastgewerbe im Jahr 2018 genau das gelungen. Am Fusse des Schlittelhangs geht es nun wieder sanft nach oben. Das ist umso bemerkenswerter, als die Zahl der Neueintritte über alle Branchen hinweg gleichzeitig zurückging. Insgesamt gab es weniger neue Lernende, im Gastgewerbe dagegen mehr. Wohlgemerkt zu einer Zeit brummender Konjunktur im Land.

Sicher ist es noch zu früh, um auf eine definitive Trendwende anzustossen. Auf sich wirken lassen darf man die positive Entwicklung aber durchaus. Und ein wenig nachdenken über die Hintergründe.

Was genau die einzelnen Personen dazu bewegt hat, im letzten Jahr den Weg zur Fachkraft im Gastgewerbe einzuschlagen, darüber können wir – über Gespräche im persönlichen Umfeld hinaus – nur spekulieren. Die Zahlen geben zumindest Aufschluss darüber, welche Berufe sich eines besonderen Zuspruchs erfreut haben. Hier ist an erster Stelle der neue Beruf der Hotel-Kommunikationsfachleute EFZ zu nennen, dessen rasantes Wachstum nur vom Mangel zusätzlicher Lehrstellen begrenzt wurde. Seine enorme Anziehungskraft zeigt eindrücklich, dass die Hotellerie als Arbeitsort nach wie vor fasziniert. Kombiniert mit einem vielseitigen und dynamischen Beruf eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten – sofern denn genügend Betriebe bereit sind, die Chance zu packen und selbst «Hokos» auszubilden.

Unter den übrigen Ausbildungen mit eidg. Fähigkeitszeugnis konnten auch die angehenden Systemgastronomiefachleute sowie die Diätköche/-innen deutlich zulegen, während bei den Restaurationsfachleuten die rapiden Verluste der Vorjahre im­mer­hin einem ganz leichten Plus wichen. Auf 
der Ebene der eidg. Berufsatteste verzeichneten die Berufe Küchenangestellte/-r sowie Restaurationsangestellte/-r weiteren Zulauf, nur unter den Hotellerieangestellten fanden weniger Interessierte und Betriebe zusammen.

Was lernen wir daraus? Allen Negativ-Schlagzeilen und Vorurteilen zum Trotz vermag unsere Branche (wieder mehr) zu interessieren. Die vielfältigen Aktivitäten des Nachwuchsmarketings, darunter Please Disturb und die Schnuppercamps, ­sowie die Aufmerksamkeit, welche engagierte Lehrbetriebe ihren (angehenden) Lernenden schenken, tragen Früchte. Auf diesem Weg gilt es nun, beherzt weiterzugehen.

Neue Lernende sind ein neuer Anfang. Dass es der Anfang einer Erfolgsgeschichte ist – persönlich, für den Betrieb, für die Hotellerie als Ganzes – hängt davon ab, wie es dann weitergeht. Hier setzt die Initiative Future Hospitality! von hotelleriesuisse an: mehr darüber zu lernen, was die Fachkräfte an- und umtreibt, und allen Beteiligten beste Entfaltungsmöglichkeiten in der Branche zu schaffen. Der Jahrgang 2018 ist erfreulich. Und gerade deswegen ein Auftrag.


Miriam Shergold ist Verantwortliche für Bildungspolitik bei hotelleriesuisse.