Hatte angesichts der aufdringlichen roten Schriftzüge, nervigen Pop-ups und wenig glaubhaften Knappheitshinweise allen Ernstes noch jemand daran gezweifelt? Egal, denn jetzt ist es offiziell, sprich, wissenschaftlich nachgewiesen: Online-Buchungsplattformen (OTAs) handeln nicht in erster Linie im Interesse der Gäste, sondern um den eigenen Umsatz zu steigern. Das belegt eine internationale Studie zum Zusammenhang zwischen Hotelpreisen und der Platzierung in den Suchergebnissen bei Booking und Expedia. Um die Conversion Rate zu steigern, strafen die beiden OTAs Hotels ab, die anderswo im Internet niedrigere Preise anbieten. Sie machen mit anderen Worten das, was alle anderen Unternehmen auch versuchen: Profit maximieren.

Eine Überraschung ist diese «neue» Erkenntnis nicht wirklich. Insbesondere nicht für die Hoteliers. Sie blicken auf ein seit Jahren gestörtes Verhältnis mit den Online-Buchungsplattformen zurück. Beispiele dafür gibt es zuhauf. In jüngerer Zeit etwa 
die Aufreger um die «Risk Free Reservations» oder «Delayed Cancellations». Oder das Dauerärgernis um hohe Kommissionen, mit denen sich Spitzenplatzierungen in den Suchergebnislisten erkaufen lassen. Anders als früher jedoch fällt es dem Branchenprimus Booking.com im aktuellen Fall schwer, das Suchergebnis-Tuning als im besten Interesse der Nutzer darzustellen. Zu durchsichtig ist diesmal die zugrunde liegende Absicht, die Preisparität anstatt über die unter Druck geratenen «Knebelverträge» indirekt über die eigene Marktmacht durchzusetzen.

Angesichts der eindeutigen Faktenlage ist die abwartende Haltung der Wettbewerbskommission sowie des Preisüberwachers nicht nachvollziehbar. Schweizer Branchenexperten und selbst die Autoren der aktuell vorliegenden Studie gehen davon aus, dass Booking auch hierzulande so mit Hotels und Kunden umspringt, wie es die Plattform nachweislich in den vier grossen Schweizer Nachbarländern tut. Doch während die Regierungen in Berlin, Paris, Rom und Wien sowie die EU-Kommission längst handeln, übt man sich hierzulande noch in vornehmer Zurückhaltung. Wann ist das Mass auch für unsere Wettbewerbshüter voll?